Pestizide. Was hilft wirklich?

Obst und Gemüse gehören unabhängig von der Anbauform zu den wichtigsten Bestandteilen einer gesundheitsförderlichen Ernährung. Gleichzeitig können pflanzliche Lebensmittel Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten. Auch in Konserven oder anderen verarbeitenden Lebensmitteln finden sich häufig diverse Pestizidrückstände.

Was kannst Du tun um diese Pestizidbelastung möglichst gering zu halten und was kannst Du Deinen KlientInnen in der Beratung zu dem Thema mit auf den Weg geben? Das erfährst Du in diesem Blogbeitrag! Alternativ kannst du dir auch direkt unsere Podcastfolge dazu anhören 🎧

Was umfasst der Begriff Pestizide?

Der Begriff „Pestizide“ umfasst verschiedene Wirkstoffgruppen, die zur Kontrolle unerwünschter Organismen eingesetzt werden. Im Pflanzenbau zählen dazu insbesondere Insektizide gegen Schadinsekten, Fungizide gegen Pilzerkrankungen und Herbizide gegen unerwünschte Pflanzen. Hinzu kommen unter anderem Akarizide gegen Spinnentiere wie Milben und Zecken, Wachstumsregulatoren und weitere Pflanzenschutzmittel.

Nach der Anwendung können Rückstände eines Wirkstoffes oder seiner Abbauprodukte auf beziehungsweise in Lebensmitteln verbleiben. Dabei kann zwischen Kontaktwirkstoffen und systemischen Wirkstoffen unterschieden werden.

Kontaktwirkstoffe verbleiben überwiegend auf der Pflanzenoberfläche beziehungsweise in der äußeren Wachsschicht. Sie lassen sich durch Waschen, mechanisches Reiben oder Schälen zumindest teilweise reduzieren. Systemische Wirkstoffe werden dagegen von der Pflanze aufgenommen und über deren Leitungsbahnen verteilt. Sie können somit auch innerhalb des Pflanzengewebes vorkommen. Waschen kann diese Rückstände nur eingeschränkt oder gar nicht entfernen.

Es gibt generell keine Methode, die grundsätzlich alle Pestizide entfernt.

Was ist das Problem?

Problematisch diskutiert werden insbesondere Langzeit- und Kombinationseffekte

Lebensmittel können sogenannte Mehrfachrückstände enthalten, also mehrere unterschiedliche Pestizidwirkstoffe gleichzeitig. Für jeden einzelnen Wirkstoff gelten in der EU zwar gesetzliche Rückstandshöchstgehalte, welche stichprobenartig von der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) kontrolliert werden. Einen allgemeinen Summengrenzwert für sämtliche gleichzeitig vorhandenen Pestizide gibt es jedoch nicht. Außerdem ist unklar, welche Auswirkungen diese sogenannten “Cocktail-Effekte” auf den menschlichen Organismus haben.

Einige Pestizidwirkstoffe stehen im Verdacht:

  • als endokriner Disruptor zu wirken
  • neurotoxische Wirkungen zu besitzen,
  • kanzerogene Eigenschaften aufzuweisen oder
  • andere negative Effekte wie z.B. Darmstörungen verursachen zu können.

Besonders relevant sind dabei mögliche Wirkungen während sensibler Entwicklungsphasen wie Schwangerschaft, Säuglingsalter, Kindheit und Pubertät. Dadurch dass die Stoffe potentiell die Fruchtbarkeit einschränken und möglicherweise die Schilddrüsenfunktion beeinflussen können, ist das Thema jedoch in jeder Alterspanne von Bedeutung.

Was also können EndverbraucherInnen tun, um sich bestmöglich vor Pestizidrückständen zu schützen?

Welche Lebensmittel sind besonders belastet?

Das Rückstandsprofil eines Lebensmittels wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst und kann von Jahr zu Jahr etwas variieren. US-amerikanische Listen wie die häufig zitierte „Dirty Dozen“-Liste der Environmental Working Group lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf Deutschland oder die EU übertragen. Sie können aber ein Anhaltspunkt sein, hier bevorzugt auf Bio-Lebensmitteln zurück zu greifen.

Robustere Pflanzenarten und Gemüse, bei denen der essbare Anteil unter der Erde wächst, sind weniger direkt der Pestizidapplikation ausgesetzt. Somit schneiden Wurzelgemüse besser ab als empfindliche Früchte wie Beeren, Kräuter oder Blattgemüse.

Basismaßnahmen zur Pestizidreduktion

  • Obst und Gemüse unter fließendem Wasser gründlich abspülen
    • Oberfläche dabei mit den Händen abreiben
      • Ggf. mit Gemüsebürste reinigen oder mit einem Tuch abreiben
  • Auch Lebensmittel, deren Schale entfernt wird, vor dem Schälen waschen
  • Wenn möglich Ware aus Deutschland beziehungsweise der EU auswählen
  • Biologisch erzeugte Lebensmittel bevorzugen
    • Insbesondere bei Gewürzen, Tee und Kräutern aus nicht EU-Staaten
  • Bei konventioneller Ware die äußeren Blätter von Salat, Kohl oder Lauch entfernen
  • Abwechslungsreiche Ernährung vermindert die höhere Aufnahme einzelner Rückstände

Natronbad als sinnvolle Ergänzung

Natron beziehungsweise Natriumhydrogencarbonat gehört zu den am besten untersuchten Hausmitteln zur Reduktion bestimmter oberflächlicher Pestizidrückstände.
Die Effekte sind allerdings stark abhängig vom jeweiligen Wirkstoff, vom Lebensmittel und wie tief der Wirkstoff bereits in das Pflanzengewebe eingedrungen ist. Bei einer Untersuchung mit Äpfeln konnten mit einer 1 %igen Natronlösung >80 % der oberflächlichen Pestizide entfernt werden.

Auch wenn solche Einzelstudien keine allgemeingültige Prozentangabe darüber zulassen, wie stark Natron Pestizidrückstände grundsätzlich reduziert, ist ein Natronbad eine einfache und sinnvolle Möglichkeit, die Belastung durch bestimmte oberflächliche Pestizidrückstände zumindest zu verringern.

So funktioniert’s:

10 g Natron auf 1 Liter Wasser

  • Robustes wie Äpfel / Gurke ca. 15 min einweichen;
  • Empfindliches wie Beeren 5-10 min einweichen;
  • Anschließend gründlich mit klarem Wasser abspülen.

Und was ist mit Essig?

Essigwasser oder Salzlösungen sind weniger praktikabel und können in der erforderlichen hohen Dosierung Textur und Geschmack der Lebensmittel negativ beeinflussen und sind daher nicht alltagstauglich.

Elektrolysiertes Wasser

Es werden auf dem Markt zunehmend kleine Geräte angeboten, die mithilfe von Elektrolyse angeblich Pestizide auf Obst und Gemüse zerstören.

Das Prinzip ist grundsätzlich wissenschaftlich plausibel. Bei der Elektrolyse entstehen abhängig von Wasserzusammensetzung, Elektrodenmaterial, Stromstärke und pH reaktive chemische Spezies. In chloridhaltigem Wasser können beispielsweise oxidierende Chlorverbindungen entstehen. Diese können bestimmte Pestizidmoleküle oxidieren beziehungsweise abbauen.

Die für den Hausgebrauch angepriesenen Geräte sollten hinsichtlich ihrer Wirksamkeitsversprechen jedoch kritisch geprüft werden. Seriöse Hersteller sollten transparent angeben:

  • welche oxidierenden Spezies entstehen,
  • welche Konzentration an frei verfügbarem Chlor erreicht wird,
  • welchen ORP- und pH-Bereich das Wasser nach dem Elektrolysevorgang aufweist,
    • ORP steht für „Oxidations-Reduktions-Potenzial“ und beschreibt, wie stark eine Lösung oxidierend oder reduzierend wirkt
  • mit welchem Wasservolumen und welcher Wasserzusammensetzung getestet wurde,
  • welches Elektrodenmaterial und welche elektrische Leistung eingesetzt werden und
  • ob unabhängige Untersuchungen genau dieses Gerät an realen Lebensmitteln und relevanten Pestizidrückständen geprüft haben.

Genau hier zeigt sich eine wesentliche Schwachstelle vieler angebotener Haushaltsgeräte: Zum jetzigen Zeitpunkt ließen sich bei den angebotenen Produkten keine ausreichend transparenten technischen Daten beziehungsweise keine unabhängigen produktspezifischen Untersuchungen zur Pestizidreduktion finden.

Pauschale Werbeaussagen wie „99 % Pestizidentfernung“ sind nicht automatisch ein Wirksamkeitsnachweis. Studien zur Elektrolyse oder zu elektrolysiertem Wasser allgemein lassen sich nicht einfach auf ein konkretes Haushaltsgerät übertragen. Genau damit wird aber teilweise gezielt Marketing betrieben.

Eine allgemeine Empfehlung solcher Geräte zur Pestizidreduktion ist daher nicht möglich.

Fazit

Die wichtigste Maßnahme bleibt das gründliche Waschen unter fließendem Wasser in Kombination mit mechanischer Reibung, also z.B. dem Abreiben mit den Händen. Wer zusätzlich die oben beschriebenen Basismaßnahmen berücksichtigt, kann die Aufnahme von Pestizidrückständen weiter reduzieren. Ein Natronbad kann dabei eine sinnvolle ergänzende Maßnahme sein, insbesondere zur Reduktion bestimmter oberflächlicher Rückstände.

Gleichzeitig sollte die Sorge vor Pestiziden nicht dazu führen, weniger Obst und Gemüse zu essen. Der gesundheitliche Nutzen eines regelmäßigen Verzehrs überwiegt die potenziellen Risiken durch Pestizidrückstände eindeutig.

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